Aus den Mails an die Redaktion

Mönchengladbach

Vorderansicht der Caritaskirche in der Albertusstraße | Foto: Werner Erkens

Zum Leserbrief von Heinz Herbert Paulus im Lokalboten am 14. April 2026 betreffend den Umbau der Caritaskirche St. Albertus

Herr Paulus sagt, die Caritas schaffe mit dem Beginn der Umbauarbeiten in der Caritaskirche St. Albertus Fakten im Hinblick auf den Tagestreff des Vereins Wohlfahrt für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen. Diesen Vorwurf weisen wir zurück. Der Caritasverband setzt um, was von der Stadt Mönchengladbach genehmigt worden ist. Die erteilte Baugenehmigung der Stadt ist vom Verwaltungsgericht Düsseldorf in mehreren Eilverfahren ausdrücklich bestätigt worden.
 
Der Caritasverband hat die mit der Stadt abgestimmte Planung im November 2024, vor inzwischen fast eineinhalb Jahren also, der Öffentlichkeit vorgestellt. Im zweiten Halbjahr 2025 hat die Stadt nach einem Beschluss der Politik die Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung e. V. (GISS) mit der Erarbeitung eines ganzheitlichen Konzepts für den Umgang mit „marginalisierten Gruppen“ im öffentlichen Stadtraum Mönchengladbachs beauftragt. Dieses Konzept soll im September 2026 fertig sein. Danach will sich die Kommunalpolitik mit den Ergebnissen beschäftigen. Im Zuge dieser Beratungen soll dann auch politisch entschieden werden, ob die Leistungsvereinbarung zwischen Stadt und Verein Wohlfahrt für den Betrieb des Tagestreffs auch für den Standort Caritaskirche gilt. (Davon übrigens konnte bei der Planung nicht ausgegangen werden, denn nach Aussage einer Partei im Sozialausschuss sei es noch nie vorgekommen, dass die Politik über den Standort einer von einem sozialen Träger betriebenen Einrichtung entschieden hat. Wobei sie selbstverständlich jedes Recht dazu hat, es war nur offenbar in der Vergangenheit nicht üblich.)
 
Sollten sich die Politikerinnen und Politiker dagegen entscheiden, wird es keinen mit städtischen Mitteln betriebenen Tagestreff für wohnungslose Menschen in der Caritaskirche geben. Dieses Risiko trägt der Caritasverband, der die Geschäfte des Vereins Wohlfahrt führt und die Caritaskirche St. Albertus in Erbpacht von der Pfarre St. Vitus übernommen hat. Wir müssten dann entscheiden, was mit der Fläche des geplanten Tagestreffs – die etwa ein Fünftel der gesamten Fläche in der Kirche ausmacht – passieren soll.
 
Weshalb hat die Caritas trotz dieses Risikos mit dem Umbau begonnen? Ende 2026 endet der Mietvertrag in den jetzigen Räumen des Tagestreffs an der Erzberger Straße. Würden wir erst im Herbst 2026 mit dem Umbau starten, gäbe es keine realistische Chance, eine nahtlose Unterbringung des Tagestreffs zu gewährleisten.
 
Hinzu kommt: Rund 80 Prozent der Fläche in der Caritaskirche St. Albertus sind für eine andere Verwendung vorgesehen, unter anderem für einen Multifunktionsraum für kleinere Veranstaltungen und dringend benötigte Büros für Caritas-Mitarbeitende, da unsere direkt nebenan gelegene Geschäftsstelle aus allen Nähten platzt. Es geht bei dem Umbau also nicht nur um den Tagestreff, wenngleich sich die geführte Diskussion nahezu ausschließlich um diesen Teil des Projekts dreht.
 
Herr Paulus unterstellt, für die Caritas sei der Umzug wirtschaftlich attraktiv, jedoch keine gute Lösung aus Sicht der Steuerzahler, außerdem „sozialunverträglich“. Zunächst: Wenn man die Inklusion von wohnungslosen Menschen mit Hilfebedarf als sozialunverträglich bezeichnet, sind wir weit gekommen.
 
Richtig ist, dass es in der Caritaskirche St. Albertus bereits mehr als vier Jahre lang ein Angebot für wohnungslose Menschen gegeben hat: Im Rahmen unseres Mittagstisches haben wir bis Mitte 2025 auf eigene Kosten rund 13.000 Essen ausgegeben, ohne dass sich bis zur Veröffentlichung der neuen Pläne jemand darüber beschwert hätte. Herr Paulus blendet darüber hinaus vollkommen aus, dass die Räume an der Erzberger Straße erhebliche qualitative Mängel aufweisen. Die geplanten Räumlichkeiten für den Tagestreff in der Caritaskirche St. Albertus sind deutlich größer, sie sind qualitativ gut – und sie kosten dieselbe Miete wie bisher. 
 
Zum Thema „wirtschaftlich attraktiv“: Eigentlich müsste Herr Paulus aus seiner aktiven Berufszeit in Mönchengladbach wissen, dass man als Träger einer solchen Einrichtung kein Geld verdienen kann. Falls er es damals dennoch geschafft hat, sind wir dankbar für eine Nachhilfestunde.
 
Wir gehen jedenfalls davon aus, dass es für die Stadt und die Stadtgesellschaft erheblich teurer würde, wenn ein qualitativ ähnliches Angebot an anderer Stelle geschaffen würde. Auch deshalb können wir mit großer Überzeugung sagen: Der Verein Wohlfahrt und die Caritas machen der Stadt und der Stadtgesellschaft ein sehr attraktives Angebot.
 
Ein Wort zum Schluss: Die Situation in den meisten deutschen Großstädten rund um Bahnhöfe ist kritisch. Ein Tagestreff für wohnungslose Menschen ist kein Drogenkonsumraum und kann daher bestimmte Suchtproblematiken nicht bearbeiten. Die Situation hinter dem Bahnhof in Mönchengladbach ist so, weil Menschen von vielen anderen Plätzen in der Stadt vertrieben wurden. Die Frage ist doch: Setzen wir auf Inklusion und Durchmischung von Bevölkerungsgruppen oder schaffen wir lieber No-go-Areas und exkludieren Menschen? Zu unserem christlichen Menschenbild gehört auf jeden Fall das Miteinander und das Aufeinander-Zugehen. Gerade Herrn Paulus sollte dieses Menschenbild nicht ungeläufig sein.
 
Frank Polixa
Caritasverband Region Mönchengladbach e.V.

 



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