„Heldinnen des Sports“: Isabell Werth und Franziska van Almsick

Mönchengladbach

Franziska van Almsick | Fotos: Helga Robertz

Der Initiativkreis Mönchengladbach lud unter der Schirmherrschaft von Sebastian Loosen zu dieser Veranstaltung am 14. April im Haus Erholung in Mönchengladbach ein. Er begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste, Oberbürgermeister Felix Heinrichs und natürlich die herausragenden Athletinnen, bevor er die Moderation an Jochen Breyer weitergab.

Isabell Werth und Franziska van Almsick kennen sich seit vielen Jahren und haben den deutschen Spitzensport über Jahrzehnte geprägt. Sie wissen, was es heißt, unter größtem Druck Höchstleistungen zu erbringen. Heldinnen entstehen nicht über Nacht, sondern durch Entschlossenheit, Mut, Ausdauer und Fleiß. Dieser Weg ist nicht immer einfach, sondern geprägt von großen Emotionen aber oft auch von Zweifeln.

Franziska wurde bereits mit 14 Jahren über Nacht zum Weltstar, feierte 1992 in Barcelona ihren Durchbruch. Sie gewann insgesamt zehn Olympiamedaillen, sechs Weltmeistertitel und blickt auf mehrere Weltrekorde zurück. Sie fand den Sport immer toll, stand aber eben sehr früh im Mittelpunkt. Ein Leben zwischen Bewunderung und Mitleid. Für sie war Isabell ein Vorbild, denn bei ihr hatte alles funktioniert, bei Franziska lief laut eigener Aussage alles schief. Isabell begann ihre Karriere ein paar Jahre später. Sie konnte zuerst einmal in Ruhe ihre Fehler machen und stand nicht direkt im Fokus, stieg aber auch schnell in die Weltspitze auf. Mit Pferd Gigolo hatte sie 1992 ihre ersten Olympiaerfolge. Sie ist achtfache Olympiasiegerin im Dressurreiten und hat Olympische Spiele sowohl als Favoritin als auch als Gejagte und Vorbild erlebt. 

Was macht Franziska heute? Sie hat eine eigene Stiftung ins Leben gerufen mit dem Ziel, dass jedes Kind in Deutschland mindestens eine Schwimmart beherrscht. Kinder sollen sich im Wasser sicher fühlen. Sie selbst macht nach wie vor viel Sport, springt aber heute nicht mehr so gern ins Wasser, zumindest nicht in kleine, volle Becken. Schwimmbahnen am Tag extra absperren zu lassen ist nicht ihr Ding. Allerdings morgens um 6.00 Uhr ihre Bahnen zu schwimmen muss auch nicht mehr sein. 

Beide Sportlerinnen haben Höhen und Tiefen erlebt, gerade auch bei Olympia. Aus aktuellem Anlass wurde das Thema der Bürgerbefragung zu möglichen olympischen und paralympischen Spielen in Deutschland in der Region Rhein-Ruhr, also auch in Mönchengladbach als Austragungsort, angesprochen. Die Metropolen wie München, Berlin oder Hamburg haben sich natürlich auch beworben.

Für die Olympischen Spiele vor heimischem Publikum spricht u.a. Perspektiven zu schaffen für junge Menschen, dass sie wissen, wofür sie etwas tun, dass sie sich auf etwas freuen. Sich mal wieder körperlich zu betätigen als nur in der digitalen Welt zu leben, sich für etwas zu interessieren. Isabell Werth führte dazu die Fußballweltmeisterschaft 2006 an, das Sommermärchen. Mit großem Erstaunen und Anteilnahme haben wir das verfolgt und dürfen auch stolz darauf sein. Auch Franziska van Almsick stimmte dem voll und ganz zu. Wir dürfen uns auch mal auf die Schulter klopfen, denn wir können etwas und müssen uns nicht verstecken.

Social Media ist heute nicht mehr wegzudenken. Franziska versucht das Thema in der Familie mit den Kindern (19 und 13 Jahre) in Grenzen zu halten. Kommunikation ist wichtig, das Persönliche sollte aber überwiegen. Leider werden die Gelegenheiten nicht mehr so wahrgenommen, wie der Zugang zu Vereinen oder zum Ehrenamt, wo die ganze Familie etwas gemeinsam machen kann. 
 
Isabell hatte das Glück, zu Hause auf einem Hof aufzuwachsen. So hat sie ihre Leidenschaft mit den Pferden zum Beruf gemacht. Auch sie hofft für ihren Sohn, dass er etwas findet, was er wirklich liebt.

Auch das Thema „Bundesjugendspiele“, heute ohne Urkunden, wurde angesprochen. Man kann nicht immer nur gewinnen, auch verlieren muss erlernt werden. Die Kinder müssen erkennen, dass für Leistungen etwas getan werden muss, Talent alleine reicht nicht aus. Wenn man besser sein will als der Andere, muss man daran arbeiten, sich bewegen. Dies liegt in der Natur. Der Erfolg sollte wieder wahrgenommen werden. Misserfolge machen den Menschen auch stark. 

Franziska van Almsick weiß genau wovon sie spricht. Sie hat als ehemalige Weltklasse-Schwimmerin, oft genug den Druck erlebt, Erwartungen erfüllen zu müssen, zwischen Selbstvertrauen und Zweifeln geschwankt, Rückschläge und Niederlagen akzeptieren zu müssen. Ihren absoluten Tiefpunkt hatte sie in Sidney 2000. „Nur“ mit einer Bronzemedaille nach Hause gekommen, waren die Schlagzeilen in der Presse verheerend. Sie hatte aber Zuspruch und Unterstützung, schöpfte neue Kraft und wollte ihre Karriere an diesem Punkt auf keinen Fall beenden. Sie horchte in sich hinein, hat nicht aufgegeben, sondern sie hat sich für SICH entschieden. Sie wusste, dass sie es besser kann. Im Spitzensport geht es nicht nur um Gänsehautmomente, sondern auch um Rückschläge und Wiederaufstehen. 

Isabell von Werth hat den Vorteil, nie alleine in einen Wettkampf zu müssen, sondern immer mit einem Pferd. Sie hat viele tolle Pferde gehabt, immer neue Ideen inspirieren sie, und sie geht mit dem Tier den Weg gemeinsam. Sie hat Freude daran, auch wenn mal nicht alles optimal läuft. Wenn sie dann auf dem Rücken des Pferdes sitzt, ist sie total fokussiert. Als Reiterin kann sie noch so gut sein, das Pferd muss mit ihr eine Einheit bilden. Dies meistert sie bravourös. Sie ist jetzt schon die erfolgreichste Olympionikin in der Geschichte Deutschlands. Die Medaillen haben sie aber nicht angetrieben, sondern das Pferd zu präsentieren. Diese Freude ermüdet nicht. Sie bildet Pferde aus, trainiert Schüler, entdeckt wieder vielversprechende Pferde mit denen sie arbeiten kann. Das macht ihr Spaß und ist das Alltagsleben – wahrscheinlich bis ins hohe Alter.   

Schwimmen und Reiten sind schon ganz unterschiedliche Sportarten. So hat Franziska van Almsick ihre Karriere zwar inzwischen aufgegeben, füllt aber jeden Tag voll aus und lebt jeden Tag.  

Das Publikum konnte den Sportlerinnen noch Fragen stellen, die gerne beantwortet wurden. Die „Heldinnen des Sports“ haben an diesem Abend das Publikum berührt und fasziniert. Warum also nicht von Olympischen Spielen träumen und diese in der Region erleben? 



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