Mehr Investitionen und weniger Insolvenzen: Mönchengladbacher Mittelstand zeigt sich resilient

Mönchengladbach

v. l.: WFMG-Geschäftsführer Stefan Anspach, Prokuristin Güneş Somtürk, Dr. Ulrich Schückhaus (Vorsitzender Geschäftsführung), Geschäftsführer Friedhelm Lange, OB Felix Heinrichs | Foto: Felix Küster für WFMG

Jahrespressekonferenz der WFMG

Krisenstimmung allenthalben – doch der Wirtschaftsstandort Mönchengladbach erwies sich 2025 nicht nur als stabil, sondern entwickelte sich in relevanten Teilbereichen sogar überdurchschnittlich positiv. So wuchs etwa die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten weiter, konnte die Industrie ein leichtes Umsatzplus verzeichnen und akquirierte der Mittelstand wieder mehr Investitionszuschüsse, während gleichzeitig die Zahl der Firmeninsolvenzen spürbar zurückging. Folglich zogen die Geschäftsführung der WFMG – Wirtschaftsförderung Mönchengladbach GmbH und ihr Aufsichtsratsvorsitzender, Oberbürgermeister Felix Heinrichs, bei der aktuellen Jahrespressekonferenz eine durchaus positive Bilanz für das zurückliegende Geschäftsjahr.

2025 hat die deutsche Wirtschaft das dritte Rezensionsjahr in Folge nur knapp vermieden. Und auch 2026 dürfte die konjunkturelle Erholung infolge des Irankriegs deutlich schwächer ausfallen als erhofft, zuletzt wurden die Wachstumsprognosen halbiert. Dazu erschweren fast schon „klassische“ Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Rationalisierung durch Künstliche Intelligenz, bürokratische Hürden oder Unsicherheiten infolge der US-Zollpolitik weiterhin die Geschäfte des deutschen Mittelstands. „Insgesamt also eine Gemengelage, der sich im lokalen Kontext nur bedingt trotzen lässt“, sagte Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Felix Heinrichs bei der Jahrespressekonferenz der WFMG – Wirtschaftsförderung Mönchengladbach GmbH. „Umso bemerkenswerter ist, dass wir für 2025 sagen können: Es ist im Rahmen der Möglichkeiten mehr als nur gelungen.“ Mehrere wichtige Kennzahlen hätten sich 2025 in Mönchengladbach positiv entwickelt, teils deutlich gegen den Trend. „Das ist für mich das Ergebnis einer konsequent umgesetzten Wirtschaftspolitik, eines resilient aufgestellten Mittelstands und eines Standorts, der seine Stärken kennt und gezielt ausbaut.“

Konkret ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Stadt zum Stichtag 30. Juni 2025 auf 105.796 gestiegen, ein Plus von 1.000 gegenüber dem Wert des Vorjahrs und der höchste jemals zur Jahresmitte gemessene. „Zum Stichtag 30. September, inklusive frisch gestarteten Auszubildenden und Berufseinsteigern, stehen in der Statistik der Arbeitsagentur dann bereits 106.879 sozialversicherungspflichtige Stellen zubuche, ähnlich viele wie im Vorjahr“, so Dr. Ulrich Schückhaus, Vorsitzender der WFMG-Geschäftsführung. Dabei habe der Bereich Gesundheits- und Sozialwesen seine Pole Position weiter ausgebaut: Er kommt bei steigender Tendenz auf nunmehr 21.204 Stellen, während die anderen großen Blöcke Dienstleistung und Handel leichte Verluste verzeichneten. Als relativ stabil erwies sich das Verarbeitende Gewerbe mit 13.549 Stellen. Erfreulich: Die Mönchengladbacher Industrie wies 2025 ein leichtes Umsatzplus von 2,9 Prozent gegenüber 2024 auf, während die Umsätze im IHK-Kammerbezirk (minus 2,9 Prozent) und im NRW-Schnitt (minus 2,5 Prozent) rückläufig waren.

Eine weitere Entwicklung, mit der Mönchengladbach positiv heraussticht, betrifft die Firmeninsolvenzen. Deutschlandweit wurde 2025 eine Zunahme von mehr als zehn Prozent und somit der höchste Stand seit über einem Jahrzehnt erreicht, auch in NRW setzte sich der bereits 2024 hohe Anstieg unvermindert fort. In Mönchengladbach hingegen gab es einen Rückgang um acht Prozent. Mit Blick auf Insolvenzverfahren ist Mönchengladbach unter allen vergleichbaren kreisfreien Großstädten im Regierungsbezirk Düsseldorf sogar die einzige mit einem Rückgang. Ein Hebel, an dem die WFMG tagtäglich im Sinne der Resilienz-Stärkung von Unternehmen arbeitet – über so unterschiedliche Instrumente wie Fördermittel, Innovationsberatung oder die Angebote des Förderprojekts Gründungsfabrik. 

Dieses proaktive Handeln bleibt unvermindert wichtig. Denn gestiegen ist – ungeachtet aller positiven Signale – auch weiterhin die Zahl der Arbeitslosen. 15.604 waren es im Jahresdurchschnitt, der höchste Wert der letzten zehn Jahre. Die Arbeitslosenquote betrug im Mittel 10,9 Prozent. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die zu bewältigenden Aufgaben auf dem Mönchengladbacher Arbeitsmarkt groß sind und vorerst groß bleiben. Jedoch werden – im Kontext mit städtischer Gesamtstrategie und Wirtschaftspotenzialanalyse – diejenigen Felder bereits intensiv bespielt, in denen die wissensbasierten Arbeitsplätze der Zukunft entstehen sollen: innovative Textilindustrie, smarter Maschinenbau, Datenökonomie und zirkuläre Wertschöpfung. Gute Rahmenbedingungen für die dafür notwendige Transformation der Wirtschaft bietet nicht zuletzt die Förderkulisse des Rheinischen Braunkohle-Strukturwandels.

Erfreulich: Die Investitionsbereitschaft des Mittelstands stieg 2025 wieder deutlich an. „Wir erleben in Summe einen langsamen Erholungseffekt der regionalen Wirtschaft, auch wenn der Abstand zum Vorkrisen-Niveau weiter spürbar ist“, so Schückhaus einordnend. Über das Regionale Wirtschaftsförderungsprogramm (RWP) etwa wurde ein Investitionsvolumen von elf Millionen Euro ausgelöst, bei 3,5 Millionen Euro an direkten öffentlichen Zuschüssen und verteilt auf elf durch die WFMG begleitete Projekte. Ein unmittelbarer Hebelfaktor von 3:1 auf öffentliche Mittel, der zudem mit Blick auf Arbeitsplätze weitere mittelbare Positiveffekte auslöst. „Diese Förderkulisse hat somit eine hohe Relevanz für die Investitionskraft und die Transformation der Wirtschaft“, sagt WFMG-Geschäftsführer Stefan Anspach. „Deswegen ist es für uns von zentraler Bedeutung, sie auch über die aktuelle Förderphase hinaus ab 2028 zu sichern.“ 

Strategische Ziele als „roter Faden“
Das Anregen von privaten und öffentlichen Investitionen in den Standort ist eine der strategischen Leitlinien der WFMG. „Dabei ist es für uns gleichermaßen bedeutsam, wenn das örtliche Handwerk Zuschüsse in siebenstelliger Höhe akquiriert, wenn RWP-Mittel gezielte Investitionsanreize für urbane Produktion und somit auch zur Innenstadtbelebung setzen oder wenn damit der hochwertige Innenausbau für wissensbasierte Arbeitsplätze gefördert wird“, sagt WFMG-Geschäftsführer Friedhelm Lange. Weitere Ziele sind die Stärkung der Innovations- und Leistungsfähigkeit von Bestandsunternehmen, die langfristige Sicherung der Arbeits- und Fachkräfteverfügbarkeit durch gute Ausbildung und Karriereperspektiven, das Schaffen und Erhalten hochwertiger Arbeitsplätze mit überdurchschnittlichem Wertschöpfungs- und Einkommenspotenzial sowie die Förderung von Gründung und potenzialstarken Startups. 

In allen Feldern wurden zuletzt wichtige Wegmarken erreicht – beim Start des Strukturwandelprojekts Textilfabrik 7.0 etwa, beim Glasfaserausbau, bei der Entwicklung des Trabrennbahn-Geländes über das Landesprogramm Go4Gewerbe – oder Erfolge erzielt. So konnte NRW-Staatssekretär Matthias Heidmeier als Fürsprecher des Förderprojekts Gründungsfabrik / skillzUP gewonnen werden, dessen Verlängerung bei der WFMG derzeit vorbereitet wird, und wurde mit „CollecTS“ ein neues Projekt zur besseren Verwertung von Alttextilien lanciert. Zudem wurde, etwa beim Comedy-Recruiting-Format „Ich lach‘ mich Job“, das Angebot in der Fachkräftenachwuchsförderung skaliert – was die zentrale Rolle der WFMG in diesem Bereich unterstreicht, die sich nicht zuletzt durch die Gesellschafterrolle bei der Junior-Uni ausdrückt. 

In der WFMG-Bilanz für 2025 stehen des Weiteren 15.000 Quadratmeter an verkaufter Gewerbefläche mit Umsätzen in einer Gesamthöhe von über 2,7 Millionen Euro, 5.438 Quadratmeter vermarktete Gewerbefläche im neuen Gewerbegebiet an der Käthe-Höffkes-Straße sowie 6.150 Quadratmeter an veräußerter Gewerbefläche für Neubauvorhaben im Businesspark Nordpark. Kremer Legal Tech aus Köln, das dieser Tage seinen Umzug auf 520 Quadratmeter im Neubau am Rheydter Hauptbahnhof vollzieht, ILOQ Deutschland (300 Quadratmeter im Feies-Campus im Nordpark) und Detectamet (rund 1.000 Quadratmeter Hallenfläche im Regiopark) stachen unter den erfolgreichen begleiteten Ansiedlungen heraus. Unter den 52 durch die WFMG betreuten Firmenprojekten 2025 fanden sich unter anderem 14 Expansionen oder Verlagerungen, 21 Neuansiedlungen und sechs Bestandssicherungen. 

Die Jahrespressekonferenz war die letzte für Dr. Ulrich Schückhaus, der nach 27 Jahren als Geschäftsführer bzw. Vorsitzender der Geschäftsführung der WFMG zum 30. Juni in Ruhestand geht. OB Heinrichs würdigte ihn als einen unermüdlichen Treiber und Vorkämpfer für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. „Während Uli Schückhaus die WFMG leitete, stieg die Zahl der Arbeitsplätze von 84.000 auf 106.000, wurden über 35.000 Stellen unter Beteiligung der WFMG neu geschaffen oder gesichert und mehr als 250 Hektar an Grundstücksfläche für gewerbliche Entwicklung verkauft.“ Eine imposante Leistung, die aber de facto „nur als die Hälfte des Lebenswerks“ zu verstehen sei, da Schückhaus lange Zeit parallel die Geschicke der städtischen Entwicklungsgesellschaft (EWMG) leitete. Auch für die Zukunft sei die WFMG mit den beiden Geschäftsführern Friedhelm Lange und Stefan Anspach im Übrigen bestens aufgestellt.



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