Aus den Mails an die Redaktion

Odenkirchen

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Leserbrief: Kirche und Augenmaß - passt das noch zusammen?

Mit großem Befremden habe ich erlebt, dass die evangelische Kirche in Odenkirchen ihren Privatparkplatz durch myparkplatz24 überwachen lässt. 

Direkt beim ersten Parkverstoß, unabhängig von der Dauer, erhält man ein 7seitiges anwaltliches Schreiben der Kanzlei Jan Bröcker aus Hasbergen. Es beinhaltet eine Forderung über EUR 220,27 sowie einer strafbewehrten Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung mit einem äußerst kurzen Zahlungs- bzw. Erledigungsziel. 

Durch die Unterlassungserklärung werden bei einem erneuten Parkvorgang, direkt mehrere tausend Euro fällig, so dass es mir nicht mehr möglich ist, am Gemeindebüro zu parken, wenn ich dort etwas zu erledigen hätte - obwohl ich der evangelischen Gemeinde angehöre. Beispielsweise gehe ich regelmäßig zur Blutspende, die dort bisher durchgeführt wurde. Der Blutspende-Standort wurde nun glücklicherweise, in die Astrid-Lindgren-Schule verlegt. Würde dies weiterhin im Gemeindebüro stattfinden, könnte ich dementsprechend hier an einem solchen Termin nicht mehr teilnehmen. 

Selbstverständlich darf ein Grundstückseigentümer seinen Privatparkplatz schützen, daran gibt es keinen Zweifel. Die Frage ist jedoch, ob dieses Vorgehen angemessen ist-insbesondere dann, wenn es ohne Vorwarnung erfolgt. Weiterhin ist es unabhängig davon, ob jemand nur wenige Minuten dort gestanden hat. 

Es gibt keinen Hinweis zu dieser Parkplatz Überwachung. Von einer Kirche erwarten viele Menschen, nicht nur die konsequente Wahrung ihrer Rechte, sondern auch Fairness, Verhältnismäßigkeit und ein Stück Menschlichkeit. 

Umso befremdlicher wirkt ein Vorgehen, das auf viele Betroffene eher den Eindruck einer konsequenten juristischen Abschreckung, als eines verständnisvollen Umgangs macht. Es stellt sich die Frage, ob eine Kirche ihrem Auftrag gerecht wird, wenn sie bei einem erstmaligen Parkverstoß sofort den anwaltlichen Weg beschreitet. Wären deutliche Hinweisschilder, eine Verwarnung oder ein maßvolleres Vorgehen nicht eher mit den Werten vereinbar, die eine Kirche nach außen vertreten möchte? 

Vielleicht sollten die Verantwortlichen darüber nachdenken, welches Signal sie damit an die Menschen in Odenkirchen senden. Vertrauen gewinnt man nicht durch möglichst hohe Forderungen, sondern durch Fairness und Augenmaß. 

Ute Paulußen



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