Chorprojekt Mönchengladbach 2026

Odenkirchen

Chordirektorin Stephanie Borkenfeld-Müllers | Fotos: Olaf D. Hennig, Karin Mandt, Dr. Stefan Junker

Ein Gespräch mit Chordirektorin Stephanie Borkenfeld-Müllers | LB: Der Lokalbote / SBM: Stephanie Borkenfeld-Müllers

LB: Frau Borkenfeld-Müllers, Sie sind Initiatorin und Leiterin des Chorprojekt Mönchengladbach. Im vergangenen Jahr 2025 haben Sie mit der Aufführung des Lobgesangs von Felix Mendelssohn Bartholdy das 20jährige Bestehen des Chorprojekts gefeiert. Die Erinnerung an dieses Ereignis ist bei Ihnen sicherlich noch sehr gegenwärtig?

SBM: Absolut. Rückblickend auf 20 Jahre hatte ich das große Glück, mit vielen Menschen jährlich ein Werk der großen Chorliteratur einzustudieren und aufzuführen. Dabei war es für mich immer wieder inspirierend, mit welcher Begeisterung ein solches Projekt zustande kommt und wie der Chor im Laufe der Probeneinheiten immer weiter zusammenwächst und zu einem einzigen großen Klangkörper wird. Viele Sängerinnen und Sänger sind von Anfang dabei, viele kamen von außen hinzu, einige haben ein Chorprojekt mitgesungen, dann pausiert und sind wieder dazugestoßen. Wenn dann, wie beim Jubiläumskonzert im vergangenen Jahr, die Kirche bis auf den letzten Platz mit Publikum gefüllt ist, Vertreter aus Politik und Gesellschaft mit ihrer Anwesenheit die Arbeit wertschätzen, ist das für alle Ausführenden ein bewegender Moment.

LB: Aus der breiten Palette klassischer Literatur hatten Sie für die Jubiläumsaufführung den „Lobgesang“ ausgewählt. Gab es dazu einen besonderen Anlass?

SBM: Die 2. Sinfonie von Mendelssohn Bartholdy gehört zu meinen persönlichen Favoriten. Der zentrale Gedanke des Werkes, der Triumph des Lichts über die Dunkelheit, entfaltet eine ungemeine Wucht und wird geradezu voller Demut im anschließenden Choral ‚Nun danket alle Gott‘ aufgefangen. Ganz wunderbare Musik.

LB: Damit ein Konzert in einer solch großen Dimension von teilweise weit über 100 Mitwirkenden allein im Chor überhaupt verwirklicht werden kann, bedarf es im Vorfeld zweifellos einer umfangreichen Organisation. Wie finden interessierte Sängerinnen und Sänger zu Ihnen und wie laufen die Chorproben ab?

SBM: Nun, eine neues Chorprojekt wird in der Presse und über die digitalen Kanäle angekündigt. Bei Interesse wird der Probenplan, an den sich alle halten müssen, zugesendet. Passen die Termine, kann man sich anmelden. Die Notenausgabe wird von mir vorgegeben und alle Sänger/innen besorgen sich die Noten selbst. Das ist wichtig, denn es sind bis zur Aufführungsreife schon etliche Einträge in den Klavierauszügen vorzunehmen. Da geht es um Artikulation, Dynamik, Tempi, und vieles mehr.

LB: In den zurückliegenden 20 Jahren haben Sie trotz mancher Angebote aus anderen Gemeinden die Chorprojekt-Konzerte in Sankt Laurentius durchgeführt und sind über den gesamten Zeitraum hinweg der Odenkirchener Pfarrkirche treu geblieben. Was ist das Besondere an Sankt Laurentius?

SBM: Mir geht es wie vielen anderen auch, die St. Laurentius betreten: es ist immer wieder ein Moment des erstaunten Innehaltens. Der neoromanische Baustil mit den klaren Strukturen, die Weite des Raumes, die nach der Restaurierung freigelegte Bemalung des Innenraumes, die Fenster der Odenkirchener Glaskünstlerin Marianne Strunk-Hilgers, die prachtvoll klingende RENSCH-Orgel mit ihrem beeindruckenden Prospekt …. Die Kirche ist einfach schön und hat Atmosphäre.

LB: Wer Sie kennt, weiß, dass Sie nach so vielen erfolgreichen Konzerten die Hände dennoch nicht in den Schoß legen werden. Was steht folglich im Zentrum des 21. Chorprojekt-Jahres?

SBM: Wir haben damit bereits begonnen, die Proben laufen. Im Zentrum steht ‚Ein Deutsches Requiem‘ von Johannes Brahms.

LB: Worum geht es inhaltlich in diesem Werk und was hat Brahms zu seiner Komposition veranlasst?

SBM: Brahms komponierte dieses Requiem aus persönlichen Empfindungen heraus. Zum einen verarbeitet er darin den Tod der eigenen Mutter und zum anderen setzt er sich in dieser Komposition mit dem Tod seines Freundes Robert Schumann auseinander. Im Mittelpunkt, und das unterscheidet dieses Requiem von anderen Requiem-Vertonungen, steht aber die Zuversicht, nicht der Tod hat das letzte Wort. Brahms Anliegen war es, ein Requiem für diejenigen zu schreiben, die zurückbleiben und mit dem Verlust eines Menschen umgehen müssen. Dafür hat er eben nicht den lateinischen Text der Totenmesse vertont, sondern auf Psalm- und Bibelzitate in deutscher Sprache zurückgegriffen.

LB: Wie viele Sängerinnen und Sänger werden in diesem Jahr im Chor stehen und gibt es für Interessierte noch die Möglichkeit zur Mitwirkung?

SBM: Da wir bereits angefangen haben, müssen sich interessierte Sängerinnen und Sänger sputen. Das Werk ist anspruchsvoll, aber es macht große Freude. Wer eine musikalische Herausforderung sucht, ist im Chorprojekt Mönchengladbach genau richtig. Derzeit hat das Chorprojekt eine Stärke von 80 SängerInnen.

LB: Sicherlich gibt es auch bereits einen Aufführungstermin. Das konzertbegeisterte Publikum möchte gerne erfahren, wann der Kartenvorverkauf startet und wo die Tickets erhältlich sind.

SBM: Die Aufführung wird am Hochfest Allerheiligen, dem 1. November, sein. Dieses Fest fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag. Karten sind spätestens nach den Sommerferien bei den üblichen Vorverkaufsstellen erhältlich, etwa ab September. 

LB: Abschließend noch eine persönliche Frage: Sie stehen außer Ihrem Chorprojekt auch noch anderen Chorformationen als Dirigentin vor. Darüber hinaus sind Sie neben Ihrem liturgischen Dienst an der Orgel auch international mit Konzerten an diesem Instrument unterwegs. Wie denken Sie über den Stand und die Zukunft der Kirchenmusik angesichts sinkender Mitgliederzahlen in den christlichen Kirchen?

SBM: Ich bin davon überzeugt, dass die Kirchenmusik ein großes Potential an Möglichkeiten bietet, die Menschen auf einer Ebene zu erreichen, die mit Worten nicht immer zu fassen ist. Victor Hugo hat das in seinem Essay „William Shakespeare“ von 1864 so formuliert: „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist“. Darüber hinaus glaube ich fest daran, dass eine Verbindung von inhaltlich tiefgehenden Worten und guter Musik immer fasziniert. Das in Verbindung mit einer Liturgie, die die Menschen berührt und in ihrem Alltag abholt. Wir brauchen Riten, klare Strukturen und Raum für Freiheiten. Im Prinzip müssen wir das Rad nicht immer wieder neu erfinden. Es dreht sich ja bereits seit mehr als 2000 Jahren. Die Kirchenmusik bietet hier eine unglaubliche Vielfalt, die wir in den Chören immer wieder praktizieren. Neben beispielsweise einer lateinischen Messe von Anton Bruckner singen wir aus einem geistlichen Musical des Düsseldorfer Komponisten Klaus Wallrath. Diese unterschiedlichen musikalischen Stilrichtungen sind wertvoll und für alle bereichernd. Ich denke, es kommt auf die Qualität an, die wir in den Gottesdiensten und Konzerten bieten.

LB: Dann bleibt uns, Ihnen für die Zukunft Glück und Segen und weiterhin eine erfolgreiche Fortsetzung Ihres Schaffens zu wünschen. Haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

SBM: Ich danke Ihnen.



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