Volksverein: Herausforderungen und Erfolge in 2022 und warum der Volksverein sein 40jähriges Bestehen feiert

Odenkirchen

v. l.: Matthias Merbecks, Stefanie Neumann, Saskia Derichs und Peter Settele | Fotos: Werner Erkens

„Der Grund, dass es uns gibt, ist gar nicht so toll: Langzeitarbeitslosigkeit!“

Mit diesem Statement eröffnete Matthias Merbecks, engagierter Geschäftsführer des rührigen Volksvereins, einen Blick auf den Geschäftsbericht des zurückliegenden Jahres und auf das 40jährige Bestehen.

Und weiter: „Wir können die Arbeitslosigkeit nicht beseitigen. Aber: Wir sind in diesem Bereich erfolgreich und können daher ‚ruhigen Gewissens‘ 40 Jahre Volksverein feiern.“

Zur Historie: Die Langzeitarbeitslosigkeit kam Mitte der 1970er Jahre auf, als Mönchengladbach die große Strukturkrise in der Textilindustrie erlebte. Plötzlich hatte MG 14.000 Arbeitslose. Das kannte man vorher hier nicht. Das war einer der Beweggründe von Menschen aus der kath. Kirche den Volksverein gegen Arbeitslosigkeit zu gründen.

Die Gründer damals – wie auch die Unterstützern heute – waren und sind der Meinung: man kann Arbeitslose sich nicht selbst überlassen. Das ist ein Zustand, der den Menschen nicht gut tut. Arbeit verbindet, Arbeit verwurzelt, mit Arbeit ist ganz viel mit dem verbunden, was wir mit Selbstwirksamkeit in Beziehung setzen. Wenn ich eine Arbeit habe, die einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert hat – dann habe ich ganz viel und nicht zuletzt auch eine Tagesstruktur.

Schaut man in den Geschäftsbericht 2022 des Volksvereins hinein, stellen wir schnell fest: Die Arbeitslosigkeit hat sich trotz geänderter Zählweise in den zurückliegenden 40 Jahren leider kaum verändert. Mönchengladbach verzeichnet immer noch ca. 14.000 Arbeitslose. Der Volksverein ist direkt für Menschen tätig, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind. Allein in 2022 hat der Volksverein immerhin 270 Personen erreichen können. Die docken beim Volksverein an, finden Beschäftigung und über diesen Weg häufig in eine anders geartete und bessere Zukunft. Das ist die Motivation der Mitarbeiter/innen des Volksvereins.

Um das Ganze zu verwirklichen, gibt es eine Programmatik, die heißt: bilden, arbeiten, begegnen, beraten. Auf diesen vier Schritten beruht der Erfolg.

Werfen wir einen Blick in den Geschäftsbericht: Von den Personen, die im Laufe des Jahres 2022 ausgeschieden sind, erlangten 26 % eine Anschlussperspektive in Arbeit und weiterführender Qualifizierung – ein Wert, der die Vermittlungsquoten aus der Vor-Corona Zeit noch nicht erreicht. Es ist jedoch feststellbar, dass die Vermittlungszahlen langsam ansteigen. Einerseits wächst das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit, gepaart mit einem Suchen nach Veränderung. Andererseits sorgt der Arbeitskräftemangel zu einer größeren Bereitschaft bei Arbeitgebern auch Menschen mit mehr oder weniger ausgeprägten Problemlagen einzustellen. Und so erleben Teilnehmende aus dem Volksverein immer wieder große Augenblicke, in dem sie etwas tun, das sie sich nicht zugetraut hätten.

Zu den Zahlen im Geschäftsbericht 2022: Das Jahr 2022 ist das vierte Jahr in Folge, in dem ein positives wirtschaftliches Ergebnis erreicht werden konnte. Einerseits war es von großen Investitionen geprägt (Immobilienkauf, E-Bike-Flotte, Medienraum, Einstieg in die E-Mobilität). Dazu dienlich war die im Vorjahr aufgebaute Rücklage für diese Zwecke. Andererseits konnte vermehrt sozialversicherungspflichtige Stellen geschaffen werden. Diese bedingen wiederum, gepaart mit den sich verringerten Zuschüssen, erhöhte Eigenanteile bei den Personalkosten sowie die Schaffung von Rücklagen, diese auch verlässlich, auch bei vorübergehenden Einnahmeverlusten, tragen zu können. Daneben erfordern die höheren Verbindlichkeiten aus dem Immobilienkauf den Ausbau der Rücklage. Dieser Rücklage konnten nun TEUR 200 wirtschaftlich verantwortlich zugeführt werden. Auch dies stärkt das Vertrauen in die Zukunft.

Ungebrochen war die Bereitschaft der Spenderinnen und Spender. Mit gut 450.000 Euro war die Grundlage für die Aufrechterhaltung der Leistungen des Volksvereins für die Langzeitarbeitslosen gegeben. Matthias Merbecks dazu: „Ohne unsere privaten Spender wären wir nicht in der Lage unsere Arbeit zu tun!“

Zur strukturellen Fortentwicklung: In diesem Jahr feiert der Volksverein sein 40jähriges Bestehen. Die Welt hat sich in diesen 40 Jahren sehr verändert. 1983 stand in Berlin noch die Mauer, das Internet kannten wir noch nicht, eine erste große Windkraftanlage wurde in Schleswig-Holstein erprobt, den Friedensnobelpreis erhielt Lech Walesa.

Auch die Bedarfe der Arbeitslosen haben sich verändert. Und diese Bedarfe werden sich auch in Zukunft ändern. Die Struktur im Volksverein muss und will diese Bedarfe erkennen. Und dafür etwas zu bieten haben. Etwas, das zu den Menschen passt.

Mit Blick auf das aktuelle Jahr 2023, welches das Jubiläumsjahr des Volksvereins ist, soll an dieser Stelle das Fest des Teilens noch Erwähnung finden. Am 12.08.2023 in der Zeit von 10.00 bis 12.00 Uhr laden der Volksverein und die Stiftung Volksverein zum gemeinsamen Frühstück, zu dem Jede/r etwas beitragen darf, auf den Edmund- Erlemann-Platz ein! Gemeinsam wird an Edmund Erlemann und sein Wirken erinnert, aber natürlich auch das 40-jährige Jubiläum des Volksvereins gefeiert. Zu diesem besonderen Anlass wird es einen Besuch von Oberbürgermeister Felix Heinrichs und eine Fotoausstellung geben. Darüber hinaus wird das Kunstprojekt, das sich dem Jubiläum widmet, vorgestellt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.



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