Christian Wolf von der Heinz-Sielmann-Stiftung begrüßte die auf Schloss Rheydt zahlreich erschienenen Gäste zum Vortrag von Prof. Michael Sutor. Die Stiftung gibt es schon seit 30 Jahren und ist in den Jahren stark gewachsen, leider ist sie in NRW noch nicht so groß aufgestellt. Unterschiedliche Ziele und Tätigkeitsbereiche, Refugien werden geschützt und entstehen, Natur muss erlebbar sein, Menschen müssen mit der Natur in Kontakt kommen.
Das Filmarchiv von Heinz Sielmann wird weiterhin von der Stiftung betreut, um es für die Nachwelt zu sichern. Außerdem fördert die Stiftung Einzelprojekte, auch in Mönchengladbach als einer der Partner der Kommune. Die Alte Niers soll weiter renaturiert werden, dies eben in Mönchengladbach-Rheydt, der Geburtsstadt von Heinz Sielmann (geb. 1917). Dies ist ein wirklicher Gewinn für die Natur am linken Niederrhein und setzt sein Lebenswerk fort. Um die Artenvielfalt zu erhalten und Lebensräume zu schützen, sind diese Biotopprojekte äußerst wichtig.
Prof. Michael Sutor recherchierte viel zur Person des Tierfilmers und Naturschützers Heinz Sielmann. Er war selbst viel in der Welt unterwegs und realisierte übe 20 TV-Produktionen als Regisseur und Kameramann. So fesselte er die Gäste mit seinem Vortrag über Sielmanns bewegende Lebensgeschichte, die er zusätzlich anhand von Fotos und Filmsequenzen sehr anschaulich schilderte:
Sielmanns Eltern zogen 1923 mit ihrem Sohn nach Königsberg. Dort entwickelte der junge Heinz großes Interesse an der Natur wie an den Hafflandschaften – weniger am Unterricht – war mit dem Feldstecher seines Vaters viel draußen und führte Buch über seine Sichtungen, vor allem über die Vogelwelt.
In Ostpreußen entstand 1938 auch sein erster Tierfilm. Dies waren damals natürlich schwarz-weiß-Filme auf riesengroßen Rollen. Sielmann wurde zur Wehrmacht einberufen und war dort ab 1939 bei der Luftnachrichtenschule in Posen eingesetzt, studierte aber gleichzeitig Biologie und Zoologie. In Posen lernte er den späteren Künstler und Bildhauer Joseph Beuys kennen. Die beiden verband eine intensive Freundschaft.
Sielmann wurde dann nach Kreta verlegt. 1945 beendete er dort den Naturfilm seines Kollegen, Tierfotograf und-filmer Horst Siewert. Er geriet in Gefangenschaft der britischen Armee und wurde samt dem gedrehten Filmmaterial nach England gebracht. Nachdem die BBC sein Material gesichtet hatte, durfte Heinz Sielmann für die BBC arbeiten.
Seine Expeditionen führten Heinz Sielmann in über 30 Länder, u.a. nach Belgisch Kongo. Dort drehte er 1958 mit dem Zoologen Ernst Schäfer einen Film über Berggorillas. 1960 brach er nach Galapagos auf und fing mit dem damals schweren Kameraequipment Bilder auf, die so noch keiner gesehen hatte wie die Riesenschildkröten im Nebelwald, Meeresechsen und den Darwin-Fink. Der Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt nahm ebenfalls an dieser Expedition teil. Der Mut für dieses Abenteuer wurde belohnt. Die Menschen waren begeistert von Sielmanns Werk „Galapagos – Landung in Eden“. Er wurde auf der Berlinale 1962 mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet. Es folgte der Beginn der ARD-Reihe „Expeditionen ins Tierreich“. Mit über 150 Folgen prägte er das Naturverständnis vieler Generationen. Stellt sich die Frage, wie es heute mit den jüngeren Generationen aussieht?
Sielmann gelangen auch richtig gute Aufnahmen von Eichhörnchen. Das ist eine Kunst. Mit „Quick das Eichhörnchen“ ist es ihm gelungen. Auch seine Nistbeobachtungen der Störche und die Kämpfe ums Nest waren sehr eindrucksvoll.
Ein Schicksalsschlag war der Tod seines einzigen Sohnes Stephan, der im Alter von 24 Jahren in Kenia bei einem Unfall ums Leben kam.
Abschließend Sielmanns Worte zur Natur aus einer Filmsequenz:
„Der Zustand unserer Natur hat sich katastrophal verändert, wir haben Mutter Natur bereits so zugesetzt, dass sie angefangen hat, uns zu bestrafen. Wir müssen uns vollkommen umstellen und unsere Ansprüche der Natur anpassen. Nur wenn die Jugend aus unseren Fehlern lernt und die Konsequenzen zieht, gibt es Hoffnung. Wenn eine Naturlandschaft einmal zerstört ist, kann man sie mit keinem Geld der Erde wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Zu viele Tiere und Pflanzen sind schon unwiderruflich von der Erde verschwunden. Die Natur wird immer mehr zu einer übervölkerten Zivilisationslandschaft, dagegen müssen wir kämpfen, sonst wird das bereits eng gewordene „Raumschiff Erde“ auch für uns Menschen unbewohnbar.“