Bürger helfen Bürgern Wanlo e.V. gewinnt 2026 den Heimatpreis der Stadt Mönchengladbach

Wickrath

v. l.: Vorsitzender Volker Schaffrath, Schatzmeister Jürgen Barz und stellv. Vorsitzender Jürgen Klauth

Der Lokalbote führte ein Gespräch mit dem Vorstand des Vereins

Lokalbote: Zunächst unseren herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des diesjährigen Heimatpreises der Stadt Mönchengladbach. Immerhin ist hiermit auch ein Preisgeld in Höhe von 8.000 € verbunden. 

Vorsitzender Volker Schaffrath: Als wir diese Nachricht tatsächlich über eine Veröffentlichung im Lokalboten das erste Mal gelesen haben, hat uns das alle sehr gefreut. Denn letztendlich hatten sich um diesen Preis 32 Mönchengladbacher Vereine, Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen beworben. Und unser Verein „Bürger helfen Bürgern Wanlo e.V.“ wurde erst im Jahr 2024 gegründet. Jetzt – nach dieser kurzen Zeit – diese Wertschätzung zu erfahren, macht uns schon ein wenig stolz. 

Lokalbote: Das können wir gut nachvollziehen. Aber dann müssen Sie ja mit ihrer konkreten Arbeit vor Ort überzeugt haben. Was sind denn konkret die Ziele ihres Vereins?

Stellv. Vorsitzender Jürgen Klauth: Rein formell nach unserer Satzung und nach den Einträgen im Vereinsregister ist dies die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements, die Förderung der Altenhilfe und die Förderung der Ortsverschönerung. Aber auf den Einzelfall betrachtet sind unsere Aktivitäten vielfältig. Wir der Vorstand versuchen bei akuten kurzfristigen Notlagen in Wanlo Nachbarschaftsunterstützungen zu organisieren. Fällt zum Beispiel der einzige motorisierte Fahrer aufgrund einer Erkrankung in einem Haushalt aus, oder bricht sich jemand ein Bein und kann seinen Rasenschnitt einige Wochen nicht erledigen organisieren wir Ersatz. Wir haben selbst konkret nach einem Trauerfall die hinterbliebene Person solange bei der Postbewältigung unterstützt, bis dies selbst erledigt werden konnte. Wir fahren nicht motorisierte Personen zu dringenden Arztterminen, wenn z.B. die NEW streikt, usw.  Im Jahr 2025 wurden von uns 34 derartige Hilfsangebote organisiert. Jetzt im laufenden Jahr 2026 bisher schon 28. Wir stellen somit einen großen Bedarf hierfür fest. 

Lokalbote: Wer sind denn die Unterstützer konkret? Das können Sie doch im Vorstand nicht alles selber bearbeiten. 

Schatzmeister Jürgen Barz: Als wir nach der Anerkennung als gemeinnütziger Verein durch das Finanzamt Mönchengladbach die Wanloer Bevölkerung über unseren neuen Verein informiert haben, waren wir sehr von der positiven Resonanz überrascht. Die Mitgliederzahl steigt stetig an und liegt aktuell bei 84 Mitgliedern. Hierbei handelt es sich aber nicht nur um Mitglieder die Hilfsangebote in Anspruch nehmen könnten, sondern auch um zum Teil sehr junge Menschen, die sich bei Notlagen einbringen und vielleicht auch ihr Taschengeld aufbessern wollen, indem diese z.B. den Rasenschnitt für ein paar Wochen übernehmen. Es handelt sich daher oft um Win-Win Situationen für beide Seiten.
 
Lokalbote: Verstehe ich das richtig, dass ihre wesentliche Aufgabe darin besteht Hilfesuchende mit Menschen in Verbindung zu bringen, die Hilfe leisten können? 

Vorsitzender Volker Schaffrath: Das hängt tatsächlich immer vom Einzelfall ab. Wenn es um Fahrdienste geht oder um Hilfestellungen geht, die wir als Vorstand selbst leisten können, dann springen wir gerne ein. Aber es gibt auch Notlagen, die wir selber nicht erledigen können, dann fragen wir bei unseren Mitgliedern nach, wer hier Kenntnisse oder Erfahrungen hat und einspringen kann. Und bisher haben wir noch immer jemanden gefunden, der helfen kann. Aber das wird uns hoffentlich auch weiterhin so gelingen. Es gab auch in der Anfangszeit Anfragen, die wir ablehnen mussten, da diese keine kurzfristige Notlagen waren. Dies z.B. wenn jemand dauerhaft das Unkraut in seinem Garten gezupft haben möchte, oder eine Anschlussfinanzierung für sein Haus suchte. Derartige Anfragen kommen aber inzwischen deutlich seltener. Denn Ziel ist es ja insbesondere dann zu helfen, wenn ein Mensch aufgrund irgendeiner Notsituation sich kurzfristig nicht selbst helfen kann und im familiären Umfeld auch keine Unterstützung findet.
  
Lokalbote: Eine tolle Sache. So einen Verein sollte es in jedem Stadtteil geben. Wie sind Sie denn auf die Idee dieser Vereinsgründung gekommen?

Stellv. Vorsitzender Jürgen Klauth: Das hat alles im Prinzip schon mit einem Dorfinnenentwicklungskonzept begonnen, das die Bürgerschaft Wanlos im Jahr 2018 zusammen mit der Stadt Mönchengladbach beschlossen hat. Schon seinerzeit wünschte die Dorfbevölkerung ein Projekt „Nachbarschaftshilfe & Dorfservice von Bürgern für Bürger“. Ziel dieses Projektes sollte es sein, über bürgerschaftliches Engagement, selbst organisierte Dienstleistungen/Hilfestellungen und nachbarschaftsorientierte Angebote in Wanlo zu etablieren. Als dann im Jahr 2024 bei einer Evaluation dieses Dorfinnenentwicklungskonzeptes dieser Wunsch durch die immer älter werdende Bevölkerung in Wanlo noch einmal verstärkt wurde und wir alle drei junge Rentner wurden, haben wir mit vier weiteren Gründungsmitgliedern diesen Verein gegründet.

Lokalbote: Wofür wollen Sie denn jetzt konkret das Preisgeld von 8.000 € des Heimatpreises einsetzen?

Schatzmeister Jürgen Barz: Neben der Organisation von Hilfsangeboten haben wir natürlich noch weitere Themenschwerpunkte, wie beispielsweise die Ortsverschönerung. Hier haben wir im letzten Jahr 3.000 Blumenzwiebel in Wanlo eingepflanzt und werden dies in diesem Jahr auch noch einmal wiederholen. Das Preisgeld des Heimatpreises wollen wir allerdings für ein weiteres wichtiges Projekt unseres Vereins einsetzen. Wanlo liegt am Stadtrand von Mönchengladbach. Mit dem öffentlichen Nahverkehr kann man nur das Stadtzentrum Mönchengladbach erreichen. Zu den deutlich näher liegenden Stadtzentren Hochneukirch oder Erkelenz existiert keine direkte Verbindung. Zudem gibt es in Wanlo – bedingt vielleicht auch durch den Wegfall der Kunden aus den inzwischen abgebaggerten Nachbardörfern – keine Nahversorger mehr. Dies beklagt die ältere insbesondere nicht motorisierte Bevölkerung. Hier wollen wir mit der Anschaffung eines elektrischen Dorfbusses für bis zu 9 Personen Abhilfe schaffen und regelmäßig Fahrten zu Einkaufszentren, Wochenmärkten, zu kulturellen Veranstaltungen, etc. anbieten. Der gewonnene Preis von 8.000 € hilft uns sehr bei der Finanzierung dieses Dorfbusses. Aus jetziger Sicht wird der Bus im Jahr 2027 seinen Betrieb aufnehmen.

Lokalbote: Auch dieses Projekt hört sich sehr interessant an. Wie soll denn dieser Dorfbus betrieben werden, wie werden Sie die Fahrten organisieren?

Vorsitzender Volker Schaffrath: Beschaffungs- und Versorgungsfahrten sind tatsächlich für einen Teil der Wanloer Bevölkerung herausfordernd. Insbesondere dann, wenn der Haushalt nicht motorisiert ist. Natürlich gibt es inzwischen in vielen Bereichen Lieferdienste. Aber mit der Lieferung an die Haustüre fällt ein Teil der sozialen Kontakte weg, denn der selbständige Einkauf ist weit mehr als die bloße Beschaffung von Lebensmitteln oder Dingen des täglichen Bedarfs.  Jeder Gang zum Bäcker, jeder Besuch auf dem Wochenmarkt oder im Supermarkt ist auch eine Teilhabe am Leben. Zudem werden durch die gemeinsamen Fahrten auch soziale Kontakte im Dorfbus geknüpft. Und wer weiß, vielleicht entstehen auch so wieder neue Freundschaften und soziale Kontakte. Inzwischen haben sich auch einige - insbesondere junge Rentner – gemeldet, die gerne zukünftig derartige Fahrten ausführen wollen. Sicherlich wird es noch spannend wenn es konkret um die Organisation dieser Fahrten geht. Aber vielleicht entwickelt sich hieraus auch eine Art Generationenvertrag. Denn irgendwann wechseln die jungen Senioren hoffentlich vom Fahrersitz auf die Rückbank.
 
Lokalbote: Eine schöne Vorstellung und hoffentlich wird der Generationenvertrag auch so gelingen. Wie soll denn der Betrieb des Dorfbusses finanziert werden?

Schatzmeister Jürgen Barz: Hier gibt es auf der einen Seite die regelmäßig fließenden Mitgliedsbeiträge. Wir hoffen die Anzahl der Mitglieder noch bis zur Anschaffung des Dorfbusses auf 140 bis 150 Mitglieder zu erhöhen. Zudem haben wir inzwischen auch Sponsoren gefunden, die den Dorfbus mit einer jährlichen Summe unterstützen wollen. Aber es gehen zum Glück auch immer wieder kleinere Spendenbeträge ein. Wer das Projekt unterstützen will kann gerne einen Betrag auf unser Konto bei der Stadtsparkasse Mönchengladbach, IBAN DE92 3105 0000 1004 6472 42 einzahlen. Ab einem Betrag von 20 € wird der Spender automatisch von uns eine Spendenbescheinigung erhalten, wenn er uns im Verwendungszweck seine Anschrift mitteilt. Wer kleinere Beträge spenden möchte kann dies z.B. im Einkaufsmarkt REWE in Wickrath tun. Dort hängt im Getränkebereich neben dem Pfandrückgabeautomaten eine Pfandbon-Sammelbox. Denn jeder Euro hilft uns. 

Stellv. Vorsitzender Jürgen Klauth: Sicherlich wird dieses Projekt noch herausfordernd für uns. Aber wir denken nicht in Problemen, sondern suchen nach Lösungen. Ziel ist es, den älteren Senioren so lange wie möglich die Gelegenheit zu geben, selbstorganisiert in ihrem gewohnten Umfeld zu leben. Unsere Unterstützung setzt daher weit vor dem Beginn der Notwendigkeit von ambulanten oder stationären Hilfen ein. Und vielleicht werden wir auch irgendwann einmal selbst von unserer jetzigen Tätigkeit profitieren. Wenn nicht, bleibt zumindest das gute Gefühl, anderen geholfen zu haben.
 
Lokalbote: Dann wünschen wir Ihnen eine glückliche Hand bei der Umsetzung dieses innovativen Projektes. Wenn dies schon 2027 in Betrieb gehen soll, haben Sie ja ihr Ziel schon innerhalb von drei Jahren seit der Vereinsgründung erledigt. Oder gibt es sogar noch weitere Ideen?

Vorsitzender Volker Schaffrath: Im Moment konzentrieren wir uns auf den Dorfbus Wanlo. Aber tatsächlich gibt es noch ein paar weitere Ideen. Die Einrichtung eines Dorfladens Wanlo für Produkte des täglichen Bedarfs ist so eine weitere Idee. 2037 kommt die Internationale Gartenausstellung nach Wanlo. Hier sollte sich Wanlo vorzeigbar präsentieren können. So könnte z.B. einmal die Durchgangsstraße in Wanlo in Angriff genommen werden. Tatsächlich gibt es viele Ideen und unsere Mitglieder werden sicherlich auch noch Ideen einbringen.  

Lokalbote: Vielen Dank für dieses Gespräch. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es zukünftig noch einiges zu berichten gibt.  



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