Da die kath. Kirche in Wickrath derzeit zukunftsweisend umgebaut wird und daher in diesem Jahr geschlossen bleibt, wichen die Brauchtumsfreunde nach Wickrathberg aus. Pfarrerin Esther Gommel-Packbier erwies sich als gute Hausherrin und Gastgeberin. Gemeinsam mit Pfarrer Thorsten Aymanns feierte sie mit allen Besuchern einen ökumenischen Gottesdienst.
Der Ablauf der Krönungsfeierlichkeiten war wohl etwas anders als gewohnt: Zunächst ein Empfang im Pfarrhaus, gefolgt von der Krönungsmesse, einem Umzug durch Wickrathberg und schließlich dem Krönungsball. Dennoch: die Gesamtveranstaltung war absolut stimmig. Die Gäste waren ausgesprochen gut aufgelegt.
Königin Vanessa Odermatt wird unterstützt von ihren Ministern Yvonne Wienen und Dennis Ufer. Das Jungkönigshaus wird angeführt von Jungkönig Gian-Luca Möller. An seiner Seite die Ritter Mats Vollmering und Timo Roggen. Besonders schön: beide Königshäuser sind jung.
Die Gästeschar war gut gemischt und stammte aus Politik, Verwaltung, dem Mönchengladbacher Sommer- und Winterbrauchtum und natürlich aus der Wickrather Schützengesellschaft.
Die Gäste erlebten einige Premieren: Vanessa Odermatt wurde erstmalig zur Königin gekrönt - auch wenn der Großvater und ihr Onkel es vor vielen Jahren schon vormachten. Premiere feierte auch die Ev. Kirche in Wickrathberg: noch nie in ihrer langen Geschichte erlebte sie eine Königskrönung, noch nie lag Schützensilber auf ihrem Altar. Erstmalig wurde eine Standarte gesegnet: die des Bettrather Tambourcorps.
Die Krönungsmesse dauerte gute eineinhalb Stunden und beeindruckte. Schützenchef Horst Thoren riet der Wickrather Schützengesellschaft vom Altar aus, demnächst immer ökumenisch zu krönen.
Während der Vorbereitung der Krönungsmesse hatte Vanessa Odermatt ein Wunschlied genannt: "Von guten Mächten wunderbar geborgen". Den Hintergrund dieses Liedes erläuterte Thorsten Aymanns in seiner Predigt. Im Gesangbuch finden wir unter dem Lied die trockene Notiz: Dietrich Bonhoeffeer (1944). Dahinter verbirgt sich, dass der evangelische Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer seit 1943 von der Gestapo, also der Geheimpolizei der Nazis, inhaftiert und nun im Dezember 1944 im Reichssicherheitshauptamt in Berlin gefangen gehalten wird. Ihm ist bewusst, dass ihm bald die Hinrichtung droht.
Seine Verlobte Maria von Wedemeyer ist in großer Sorge um ihn. Nur sporadisch - wie kurz vor Weihnachten und Neujahr - ist ein Briefkontakt möglich. Dietrich Bonhoeffer sendet ihr bei dieser Gelegenheit ein Gedicht, das ihr und - so schreibt er - auch den Eltern und Geschwistern ein Weihnachtsgruß sein soll. Weihnachten selber erwähnt er aber gar nicht, sondern blickt schon vertrauensvoll hoffend in das aufziehende neue Jahr 1945.
Am 9.4.1945, vor 81 Jahren, wurde Dietrich Bonhoeffer hingerichtet. Nicht für ein Verbrechen, sondern für sein Bekenntnis zum Evangelium und zum christlichen Menschenbild. Er wurde umgebracht dafür, dass er seine Hoffnung nicht auf eine völkischge Ideologie, sondern auf Gott den Vater und auf Jesus Christus gesetzt hatte - und auf eine christliche Gemeinschaft, die dieses Bekenntnis mit ihm teilte.
Thorsten Aymanns: "Liebe Vanessa Odermatt, danke für das starke Zeichen, dass Sie heute am Beginn ihrer Regentschaft gerade diesen Text ausgesucht haben in eine Zeit hinein, in der gerade Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, zum Bekenntnis aufgefordert sind.
Nationalismus, völkische und rassistische Ideologien und Anfeindungen von Minderheiten werden in Zeiten, in denen Menschen sich aus vielfältigen Gründen unsicher fühlen, wieder hoffähig, politisch wählbar und vielleicht sogar mehrheitsfähig. Ich erwähne das hier nicht, weil ich mich heute Abend parteipolitisch betätigen will. Auch Papst Leo wird ja gerade prominent vorgehalten, er sollen sich mit Moral und nicht mit Politik befassen. Aber Politik ist ja hoffentlich immer auch auf der Suche nach einer moralisch belastbaren Haltung, wie sonst könnten wir als Wähler beispielsweise Abgeordnete bei ihren Entscheidungen auf ihr Gewissen verpflichten. Ich erwähne also die politische Lage hier, weil es auch heute Abend in dieser Kirche wie in allen christlichen Gemeinschaften um das gleiche moralisch aufgeladene Evangelium geht, für das Dietrich Bonhoeffer sein Leben gegeben hat. Jede und jeder, der wenigstens darüber nachdenkt, ob das Evangelium von Jesus Christus ein Entwurf für das eigene Leben und die eigenen Werte sein kann, steht wenigstens im Ansatz vor den gleichen Fragen und Herausforderungen wie Dietrich Bonhoeffer zu seiner Zeit. Und dabei geht es um Frieden in der Welt, ohne den Tausende schon das nackte Leben verlieren. Es geht um ein würdiges Leben für jeden Menschen. Es geht um die Freiheit eines jeden Menschen, die für die Nachfolger Jesu eine Freiheit in Christus ist. Das ist eine Freiheit auch im religiösen Sinne, die uns gerade hier an einem Ort reformatorischer Tradition in Erinnerung gerufen wird." ...
Wie schon zuvor beschrieben, schlossen sich an den ökumenischen Krönungsgottesdienst ein Umzug durch Wickrathberg und der Krönungsball im Gemeindehaus an. Bei Letzterem sorgte CAEBO für den guten Ton. Wir dürfen gespannt sein auf die Regentschaft der beiden jungen Königshäuser.