Auf den Spuren der Vergangenheit

Aus der Region

Foto: Thordis

Kriminalroman / Eine Kolumne von Thordis (28)

Duana hatte beschlossen, Hugo Karlsson, den jungen Mitarbeiter von Albert Bush, zu einer Zeugenvernehmung in ihr Büro zu bestellen. Er war pünktlich erschienen, auffallend gestriegelt und sehr elegant gekleidet. Ein teures Aftershave umhüllte ihn, als er durch die Türe kam. Der Duft war äußerst angenehm zu riechen und erinnerte die kleine Dunkle an vergangene Tage mit ihrem Vater. 

Betont entspannt nahm er auf dem Stuhl gegenüber von Duana Platz und schlug das rechte Bein über das Linke. Er checkte noch kurz sein Handy, bevor er sich ganz der Polizistin widmete. Ein attraktiver junger Mann, dachte Duana und setzte sich ebenfalls auf ihren Stuhl hinter den Schreibtisch. Dann wurde plötzlich und unerwartet die Türe von ihrem Büro aufgestoßen und ihr Chef Tim Brown kam hineingestürmt. „Hi Hugo, ich hoffe du hast unsere Einladung am Samstag nicht vergessen. Martha freut sich schon dich zu sehen. Sie wird deinen Lieblingskuchen backen und die kleinen Krabben kaufen, die du früher immer so mochtest.“ Duana schaute ihren Chef irritiert an, denn diese private Vertrautheit kannte sie von ihm überhaupt nicht. Schon gar nicht, wenn sie einen Zeugen in ihrem Büro hatte. Sie ärgerte sich über das Verhalten von Brown, denn das war nicht hilfreich für ihre bevorstehende Vernehmung und überhaupt höchst unprofessionell für den ganzen Fall. 

Nervös strich sie sich die Haare aus der Stirn und beobachtet die beiden Männer. Hugo zupfte an seinem Hemdkragen und blickte unschlüssig zu seinem Gegenüber. Dann antwortete er Tim Brown. „Äh…hallo Onkel Tim. Ja klar komme ich am Samstag zum Essen. So hatten wir es doch verabredet. Und ich freue mich schon sehr auf Tante Martha.“ Tim Brown nickte vergnügt, stand noch einen Moment unschlüssig in der Türe und registrierte dann den genervten Blick von Duana. „Also dann, werde ich euch mal wieder alleine lassen. Sorry…das ich so unangemeldet hereingeplatzt bin.“ 

Duana stand auf und schloss die Türe hinter ihrem Chef, der sich beim Hinausgehen nochmals zu ihr umgedreht hatte. Ein flehender Blick verriet ihr, dass es ihm tatsächlich leid tat und keine böse Absicht dahinter steckte. Hugo wirkte verunsichert und versuchte dies zu überspielen, indem er ein belangloses Gespräch über das Wetter begann. Duana setzte sich wieder hinter ihren Schreibtisch und blätterte in ihren Unterlagen. Auf das Geplänkel ging sie nicht weiter ein. „Mr. Karlsson, wir haben ihr Alibi für die Mordzeit von Albert Bush überprüft und der Barkeeper und eine Bedienung haben ihre Anwesenheit in dem Pub an der Ecke zum fraglichen Zeitpunkt bestätigt.“ Hugo atmete sichtlich auf und sagte. „Warum hätte ich ihnen etwas vorlügen sollen? Es gab für mich keinen Grund dazu.“ Duana ignorierte seinen Einwurf und beschloss, keine Zeit mehr mit Nettigkeiten zu verlieren. „Wir wissen, dass sie ein gespanntes Verhältnis zu Albert Bush hatten, da er Peter mehr Aufmerksamkeit schenkte als ihnen. Sie waren beide an einer wichtigen Entdeckung dran, doch nur Peter heimste die Lorbeeren ein.“ 

Nun verzog Hugo seinen Mund zu einem schiefen Lächeln. „So dramatisch würde ich das nicht nennen. Zum Glück weiß ich ganz genau, wie wertvoll ich für das Forschungsteam bin und das wusste Albert genauso. Nicht nur Peter war ein aufstrebender Stern. Albert gab auch mir eine positive Bestätigung.“ Duana blickte tief in die Augen des jungen Mannes, die sich auf einmal von bernsteinbraun, in giftgrün verwandelt hatten. „Deshalb musste Albert sterben und vorher Peter!“ Hugo sah die Polizistin erschrocken an. „Es ist sehr bedauerlich, dass zwei wunderbare Menschen nun nicht mehr unter uns weilen, aber ich habe damit nichts zu tun.“ In der Tat hatte Duana nichts in der Hand gegen den rothaarigen Jüngling, jedoch hatte er ein starkes Tatmotiv, was sie nicht unter den Teppich kehren konnte. „Sie angeln gerne! Stimmt´s? Und sie haben einen Yachtschein.“ Erstaunt blickte Hugo Duana an. Mit dieser Frage hatte er offensichtlich nicht gerechnet. Er überlegte kurz und strich sich dabei über seinen Dreitagebart. „Wie kommen sie darauf? Ganz im Gegenteil, ich verabscheue Angeln, denn ich kann keinen Fisch leiden sehen, wenn er am Haken hängt.“ 

Überrascht schaute Duana von ihrem Spickzettel hoch. „Oh, dann habe ich wohl etwas falsch verstanden. Albert Bush hatte mir gegenüber erwähnt, dass sie mit ihm des Öfteren zum Angeln hinaus aufs Meer gefahren sind.“ Hatte Bush sie etwas bei ihrer letzten Vernehmung angelogen und absichtlich auf eine falsche Fährte geführt? Das war höchst merkwürdig und Duana machte sich eine kurze Notiz. Dann fuhr sie weiter. „Albert Bush hatte eine Yacht, die sie hin und wieder auch gesteuert haben. Ist das richtig?“ Nun wurde der junge Mann zum ersten Mal seit er in der in der Vernehmung war unsicher. Er fuhr sich mit dem Mittelfinger in den Kragen seines Hemdes und versuchte den ersten Knopf zu lösen. „Äh…ja, das stimmt. Albert hatte eine kleine Yacht im Hafen, die er aber, soweit ich weiß, nicht oft benutzte. Ich glaube, er übernachtete dort öfter, wenn es zu spät war, noch in die Stadt zu fahren. Er nutze sie wohl mehr als Wohnung und nicht als fahrbaren Untersatz.“ Duana rollte mit ihrem Stuhl ein wenig zur Seite und schlug die Beine übereinander. „Haben sie die Yacht zufällig in der Nacht von Albert Bush´s Tod in den Hafen gefahren?“ Hugo zögerte mit der Antwort und schien nach den richtigen Worten zu suchen. „Das muss ein Versehen sein. Niemand von uns war am Donnerstagabend auf der Yacht. Ich war den ganzen Tag am Strand im Forschungscamp, bis ich dann abends in den Pub an der Ecke ging.“ Duana tippte mit dem Kugelschreiber auf ihre Schreibtischunterlage und wurde langsam etwas ungehalten. „Wir haben aber Zeugen, die eine männliche Person am Steuer der Yacht gesehen haben. Sie muss also zur fraglichen Zeit bewegt worden sein. Wie können sie sich das erklären?“ Hug Karlsson hatte nun endlich den obersten Knopf geöffnet und schien wieder ein wenig mehr Luft zu bekommen. „Das ist mir echt schleierhaft, wer das gewesen sein könnte. Ich war es jedenfalls nicht, das können sie mir glauben. Vielleicht war es Albert selbst! Ich kann mich aber gerne für sie umhören.“ Duana fand seine Äußerung schmeichelhaft und lächerlich zugleich. Sie lächelte ihn an. „Vielen Dank Hugo, aber unsere Ermittler sind bereits dran. Wir werden ihre Hilfe in dieser Hinsicht nicht benötigen. Aber nun etwas anderes. Warum haben sie mir vorgestern am Telefon gesagt, dass sie an allem schuld sind? Warum wäre es besser gewesen, wenn sie an dem Abend noch zum Strand gefahren wären?"



Anzeigen aus der Region