Als Lebensraum bevorzugt er lichte, aufgelockerte Laubwälder mit Unterholz und Gestrüpp sowie Waldränder. Auf Friedhöfen, Parks und in großen, verwilderten Gärten ist er selten anzutreffen. Leider hat sich der Bestand des kaum bekannten Vögelchens in den letzten Jahren um ca. die Hälfte reduziert.
Der Fitis ist ein Langstreckenzugvogel, der viele tausend Kilometer bis ins tropische Afrika und darüber hinaus sogar bis an das Kap von Südafrika zieht. Die Männchen kommen im Frühjahr aus dem Süden regelmäßig früher als die Weibchen zurück. Bei ihrer Ankunft melden sie sofort mit ihrem Gesang ihre Anwesenheit an, um vorzeitig auf sich aufmerksam zu machen für die etwas später eintreffenden Weibchen. Ihr gemütvolles und etwas wehmütig klingendes Lied hat ihnen früher den heute längst vergessenen Namen „Wisperlein“ gegeben. Der Gesang erinnert an einen leisen, gedämpft vorgetragenen Buchfinkenschlag mit absinkenden Tönen. Bei uns im südlichen Niederrhein nannte man den Fitis mundartlich auch „Räänvujel“ (Regenvogel), weil sein Gesang angeblich das herannahende Regenwetter verkündete. Die früheren Vogelfänger im Rheinland nannten ihn „et Su´emerkönnigske (Sommerkönig).
An warmen Mai- und Junitagen baut das Weibchen nahe am Boden im Schutze eines größeren Grasbüschels, Gestrüpps oder Brombeerdickichts ein kugeliges Nest, was von außen aussieht wie ein Haufen welkes Laub. Innen ist das Nest mit kleinen Flaumfedern fein und sorgfältig ausgepolstert. Das Nest hat den Eingang immer seitlich, und zwar so, dass man durch das Eingangsloch die Eier im Nest nicht sehen kann. In manchen Teilen Deutschlands nannte man den Fitis wegen der Form seines Nestbaues auch „Backöfelchen“.
Der Fitis wirkt immer unruhig und gehetzt, wobei er in den Bäumen flink und geschickt ständig auf der Suche nach kleinen Insekten ist. Als ausschließlich Insekten fressender Vogel hat er es aufgrund des allgemeinen Insektenmangels besonders schwer.
Ab Anfang September tritt der unscheinbare Kleinvogel wieder seine sechs- bis zehntausend Kilometer lange Reise in den Süden an.
Steckbrief:
- Größe: Körperlänge ca. 11 cm; Gewicht um 9 g;
- Vorkommen: Bis auf Südeuropa in weiten Teilen Europas verbreitet;
- Nahrung: Insekten, deren Larven und Spinnen werden durch Umherklettern im Geäst erbeutet;
- Brut: 5 bis 6 gelbliche Eier mit rötlichen Flecken;
- Sonstiges; Alle Laubsängerarten besitzen ein sehr gut getarntes Gefieder, sehen sehr ähnlich aus und sind fast nur durch ihren Gesang voneinander zu unterscheiden.