Werner Scholz hatte für den Vortrag umfangreich vorhandenes Material gesichtet und mittels einer achtwöchigen Arbeit zusammengestellt.
Die Engagement von Werner Scholz sollte belohnt werden, denn: das Interesse war riesig. Sogar ein früherer Odenkirchener – heute in Neu-Keyenberg wohnend - war in den Burgturm gekommen. Mit gut 50 Besuchern war der Raum des Burgturmes platzmäßig ausgereizt.
Aufgrund des großen Interesses bietet der HVO einen Zusatztermin am Sonntag, 17. September 2023, 16.00 Uhr, im Burgturm an.
Werner Scholz beantwortete in seinem Vortrag zentrale Fragen. Die Antworten darauf waren mit zahlreichen Bildern unterlegt.
Einige wenige wichtige Bemerkungen und Daten des Studiovortrages
Wie konnte es zu dieser schrecklichen Bombennacht kommen? - Was waren die Auslöser?
Mit dem verbrecherischen Einmarsch-Befehl von Hitler in Polen am 1.9.1939 und Bombardierung durch die deutsche Wehrmacht begann der 2. Weltkrieg. Die Deutsche Bevölkerung wusste bis zu diesem Zeitpunkt nichts über einen anstehenden Krieg. Von einer Kriegsbegeisterung konnte nach dem Überfall auf Polen in Deutschland keine Rede sein. Der erste Luftangriff auf Mönchengladbach erfolgte bereits am 12. Mai 1940. Das waren die ersten Bomben auf eine westdeutsche Stadt.
Beim Großangriff auf Mönchengladbach-Rheydt-Odenkirchen und Umgebung am 30./31.08.1943 waren 600 Bomber beteiligt. Sie waren gegen Mitternacht von ihren Flugplätzen in Mittel- und Südengland gestartet mit dem Angriffsziel „München-Gladbach“.
Wie verlief die Bombennacht?
- Um 02.00 Uhr gab es erstmals Luftalarm.
- Um 02.57 Uhr wurden Flieger von Waldniel Flug auf Mönchengladbach registriert, 2 Minuten danach lauteten die Meldungen: „Leuchtfeuer über Mönchengladbach – Markierungsbomber über Neuwerk.
- Um 3.03 Uhr fielen bereits die ersten Bomben – der Großangriff auf Mönchengladbach-Rheydt hatte begonnen. Der Bomberverband führte den Angriff in zweimal drei Wellen aus nordwestlicher und südwestlicher Richtung durch. Nicht alle Maschinen haben ihr Ziel erreicht. 35 Flugzeuge mussten wegen technischer oder Bedienungsmängel abbrechen. Einige stürzten ab.
Wie kam es nun dazu, dass gerade Odenkirchen so stark betroffen war?
Man wollte doch eigentlich laut Angriffsplan in erster Linie die Stadtkerne von Mönchengladbach und Rheydt bombardieren! Es war eine Folge der damaligen Witterungsbedingungen. Zum Angriffspunkt herrschte über dem Zielgebiet ein starker Westwind. Dadurch wurde eine große Anzahl von Maschinen von ihrem Kurs abgetrieben und lud ihre Bombenlast und damit ihre zerstörerische Fracht nun über Odenkirchen ab.
In Odenkirchen wurden 98 % sämtlicher Wohnhäuser in der Angriffsnacht entweder vollständig zerstört oder mehr oder weniger stark beschädigt. In Odenkirchen kamen ca. 120 Bewohner ums Leben, die von der kath. Kirche mit 55 Pfarrangehörigen und in der Ev. Kirche mit 48 aufgezeichnet wurden. Es gab natürlich mehr, da auch Besucher, Soldaten und Zwangsarbeiter im Ort waren.
In Odenkirchen wurde Gott sei Dank das Krankenhaus und das Josefshaus nicht beschädigt, so dass vielen Verletzten geholfen werden konnte.
Bild 002: Ecke Danziger-Str. – Wilhelm-Nießen-Str. – links im Hintergrund die ausgebrannte Evang. Kirche
Bild 003: Zerstörtes Bahnhofsgebäude
Bild 004: Der Reichshof, die Ruine vom Geschäft Albers und die Persiluhr
Bild 005: Saarstraße, Frau Beckers sieht auf den Trümmern sitzend dennoch zuversichtlich aus
Bild 006: Bombentrichter
Bild 007: Von der Pastorsgasse ausgesehen das zerstörte Pfarrhaus und die ausgebrannte Kirche
Bild 008: Blick über die Trümmer, Ecke Pastorsgasse (Deutsches Haus) auf die Straße Zur Burgmühle
Über die von Trümmerbergen verschütteten Straßen schufen sich Bewohner, wie hier in der Pastorsgasse Trampelpfade
Bild 009: Ausgebrannte und zerstörte Häuser in der Straßburger Allee
Bild 010: Talstraße, heute Firma Durst. Die Trümmer waren für die Kinder ein gefährlicher aber dennoch interessanter Spielplatz
Bild 011: Zerstörte Burganlage